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Sind Menschen, die fremdgehen, in ihrer Partnerschaft unglücklich?

Fremdgehen ist immer ein Indikator dafür, dass eine Beziehung sich in einer Schieflage befindet. Die Gründe für einen Fehltritt sind dabei vielschichtig. Sex ist nicht immer der Hauptgrund. Aus mangelnder Liebe zum Partner betrügt ohnehin niemand. Doch warum suchen immer mehr Leute auf Portalen wie Fremdgehen69 ein Abenteuer und muss das zwangsläufig negative Auswirkungen auf die feste Beziehung haben?

Mann weist vorwurfsvoll seine Partnerin auf Smartphone hin

Die meisten Fremdgänger sind Wiederholungstäter

Ein Seitensprung und die Liebe zum Partner müssen sich nicht ausschließen. Laut einer Umfrage, die ein Göttinger Psychologe mit 2600 Männern und Frauen durchgeführt hat, haben über 80 Prozent angegeben, dem Partner in Liebe verbunden zu sein. Das klassische einmalige Sextreffen ist eher unpopulär.

Nur 12 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer lassen sich auf das Abenteuer für eine Nacht ein. Der Standard-Seitensprung dauert einen Monat, ein Drittel aller Affären geht länger als ein halbes Jahr. Die meisten Fremdgänger sind Wiederholungstäter. Knapp ein Viertel aller Männer hat die Lebenspartnerin schon mehrfach betrogen.

Oft ist es die Flaute im Ehebett, denn die überwiegende Mehrheit möchte durch eine Affäre Abwechslung vom häuslichen Sex finden. Mit mangelnder Liebe hat das nichts zu tun. Sehr wohl aber mit einem Kommunikationsproblem. Denn nur knapp ein Drittel der Frauen und ein Viertel der Männer teilt dem Partner sexuelle Wünsche mit. Dieses Verhalten verändert sich auch nicht sonderlich, wenn der Seitensprung auffliegt. Um die 30 Prozent der Paare fangen dann wenigstens an, über ihre Fantasien zu reden. Viele fühlen sich danach besser verstanden. Wird also das Gespräch über den Sex gesucht, hat die Beziehung auch nach dem Fremdgehen eine Chance zu überleben.

Betrug passiert oft nach einschneidenden Erlebnissen

Doch ist Fremdgehen wirklich so einfach mit der Lust auf sexuelle Abwechslung erklärt? Nein, denn Sexdates mit fremden Partnern können aus ganz anderen Gründen passieren. Eine Affäre bedeutet in der Regel nicht, dass etwas am Partner grundsätzlich abgelehnt wird. Denn oft ist Fremdgehen ein Zeichen dafür, dass die eigene Person, beziehungsweise das, was aus ihr geworden ist, innerlich abgelehnt wird.

Mit einem anderen Sexualpartner wird die Suche nach dem alten, verlorenen Selbst kompensiert. Die körperliche Begierde steht dabei gar nicht einmal im Vordergrund. Viele Menschen betrügen ihren Partner nach einem einschneidenden Erlebnis, zum Beispiel nach dem Tod eines Elternteils, bei Arbeitsplatzverlust oder wenn eine chronische Krankheit diagnostiziert wurde. In solchen Momenten werden die Themen Tod und Vergänglichkeit in neuen Kontexten betrachtet.

Viele fragen sich, ob das alles gewesen sein soll oder ob das Leben ihnen noch mehr zu bieten hat. Die Linie zum Betrug wird dann als Antwort auf die Frage nach der eigenen Endlichkeit übertreten, um sich endlich wieder lebendig zu fühlen.

Pärchen schmollt nebeneinander

Betrügen resultiert aus uralten Instinkten

Nachvollziehbar, dass der Sex mit einem Partner langweilig wird, mit dem man länger zusammen ist, als die Urahnen einst alt wurden. Doch warum gibt es dann überhaupt die romantische Liebe? Biologisch betrachtet, stellt sie eine Art Belohnungssystem dar. Zeigt man Menschen Fotos ihres Partners, wird ein bestimmtes Areal im Gehirn aktiviert, das auch ansprechen würde, wenn ein Kind ein Stück Schokolade erhält. Zudem gibt es im Menschen das natürlich angelegte Bedürfnis nach Bindung. Daher werden Partner gesucht, mit denen ein enges Verbandeln möglich ist und sogar Kinder gemeinsam großgezogen werden können.

Beim Fremdgehen setzt sich jedoch ein stärkerer Trieb durch. Denn die Evolution hat dafür gesorgt, dass die Gene möglichst weit verbreitet werden. Problematisch ist es, dass all diese Programme miteinander wetteifern. Während Belohnung und der Wunsch nach Nestbau zueinander passen, gehen die beiden Dinge mit dem Fortpflanzungstrieb in Konflikt, müssen es aber nicht. Denn wie viele Zeitgenossen zeigen, lassen sich diese drei Bedürfnisse durchaus vereinbaren. Dass der Fortpflanzungstrieb sich in Seitensprüngen äußert, schockiert Biologen daher wenig. Schließlich hat die Evolution den Menschen hervorgebracht, um sich ordentlich zu vermehren.

Wir haben die Wahl

Der Instinkt hilft, den Seitensprung zu verstehen. Eine Entschuldigung ist die Evolution trotzdem nicht. Denn der Mensch ist jederzeit in der Lage, intelligente Entscheidungen zu treffen. Fremdgehen hat immer etwas mit der Beziehung zu tun. Passiert es, sollte nach Ursachen geforscht und das Problem angegangen werden. Gelernt wird dabei nicht nur etwas über die Beziehung, sondern auch jede Menge über die beteiligten Personen. So, wie ein Mensch die Wahl zum Seitensprung hat, verfügt der betrogene Partner alternativ über die Möglichkeit zu gehen. In genau dieser Wahlfreiheit liegt der Schlüssel zum Glück nach einem Seitensprung - mit oder ohne den Partner.

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